Pocketweblog Startseite

Ein Anruf von Frazr – Heisse Luft jetzt auch mobil

21. Mai 2007 - abgelegt unter .mobi, Fanpost, Ogo

frazrHeute klingelte bei mir das Telefon. Am anderen Ende war Moritz von frazr, der mich persönlich auf die neu gestartete mobile Version des Twitter-Clons hinweisen wollte. Ich hätte sicher schon davon gehört und er würde sich freuen, wenn ich in meinem Blog darüber berichten könnte. Das wollen wir ja mal sehen…

Das englische Verb “phrase” steht für formulieren, ausdrücken, phrasieren – oder einfach für die Produktion von heißer Luft – auf den ersten Blick kein vielversprechender Name. Wenn aber schon mal ein “Geschäftsführender Gesellschafter” einer Firma bei mir anruft, will ich nicht so sein und schau mir die Site frazr.mobi mal an. Eigentlich müsste sein Name ja dort im Impressum stehen, das ist aber nirgends zu finden, auch auf dem frazr-Blog ist kein Impressum verlinkt. Erst als ich später am PC die Webadresse des jungen Unternehmens aufrufe werde ich fündig. Hat das Geld von den Samwer-Brüdern noch nicht für eine Rechtsberatung gereicht?

Aber ich soll mir ja die mobile Version anschauen. Diese zeigt mir zwei schlichte Eingabefelder für Name und Passwort. Wer noch keinen Account hat, kann auch mobil einen neuen Account beantragen. Etwas stutzig machte mich, dass ich mit der mobilen Anmeldung zwar die AGB akzeptiere, es aber keinen direkten Link zu den AGB gibt. Es wird lediglich im Fließtext eine Adresse angezeigt, die ich mühsam abtippen darf. Rufe ich sie auf, stürzt mir der Ogo ab. Ob das am vielen Text oder der eingebundenen Flash-Datei liegt, entzieht sich meiner Kenntnis.

Neugierig geworden schau ich mir die AGBs später noch einmal auf dem PC an.

“Frazr bietet die Dienste seiner Plattform ausschließlich für private Zwecke an. Eine gewerbliche Nutzung ist nicht erlaubt”.

Und wenn meine Kunden auch meine Freunde sind? Ein paar Absätze später wird gedroht:

“Verstößt ein Nutzer gegen eine oder mehrere Bestimmungen der Ziffern 2.1 bis 2.4 und/oder Ziffer 7., ist der Nutzer verpflichtet, eine vom Betreiber nach billigem Ermessen festzusetzende und im Streitfall vom zuständigen Gericht zu überprüfende Vertragsstrafe auf erstes Anfordern an den Betreiber zu zahlen.”

Moment mal – Vertragsstrafen? Worum ging es? Das “Ziel von Frazr ist es, die Verbindung zwischen Menschen zu verstärken. Dies wird durch einen einfach zu bedienenden Nachrichtendienst ermöglicht.” Aha… Na dann probiere ich diesen Nachrichtendienst doch einmal aus.

LoginNach der Registrierung kann ich mich sofort problemlos einloggen, ohne meine Adresse zuvor bestätigen zu müssen. Trotzdem bekomme ich eine Bestätigungs-Mail die mir verspricht “Wenn Du Dich nicht angemeldet haben solltest, kannst Du diese Mail getrost löschen. Du wirst keine weiteren Mails von uns bekommen und wir geben Deine Adresse selbstverständlich nicht weiter.”

Sowas nennt sich Double-Opt-In – wenn es funktioniert eine recht gute Möglichkeit, Spam zu vermeiden und zumindest ein kleiner ID-Check. Leider scheint es hier auch ohne E-Mail-Verifikation zu klappen, das heißt, jede beliebige Person kann in meinem Namen, mit meiner Mailadresse und ohne die AGB zu lesen einen Vertrag eingehen, in dem von Vertragsstrafen die Rede ist. Ich glaube nicht, dass mir das gefällt.

Einmal eingeloggt kann ich nun also einen Fraze schreiben… einen was? Moritz am Telefon meinte, “Eine Kurznachricht, sowas wie eine SMS”. Schön und gut, nur wem? Ich kann ja mal schauen, was “Alle Frazer” so machen und lese dann, dass Trtschka gleich Feierabend hat und Digga sich nun in Stuttgart befindet. Dafür geht Stonie gerade Basketball spielen. Aha. Und warum wollte ich das wissen?

JoghurtWenn ich wahllos auf “Gib mir mehr!” klicke, erhalte ich weitere Einblicke in private Momente meiner Mitmenschen. Über gewerbliche Momente dürfen sie ja nichts schreiben… Gedacht ist frazr ja für die Kommunikation mit Freunden, per E-Mail kam dann auch gleich eine Freundschaftsanfrage von Moritz.

“Moritz möchte bei Frazr Dein Freund sein” steht in der Betreffzeile. Das ist nett, allerdings sehe ich auf der mobilen Oberfläche keine Möglichkeit, diese Anfrage einzusehen oder gar auf sie einzugehen. Das geht wohl nur auf der “normalen” Oberfläche.

Für meinen imaginären Freund Max lege ich “nur zu Testzwecken” mal schnell einen zweiten Account an, und tatsächlich, auch hier wird die Mailadresse nicht geprüft. Und mit dem versprechen “du wirst keine weiteren Mails bekommen” ist es auch nicht weit her, sobald jemand versucht, mein zweites Ich zum Freund zu haben, geht ein Mail an die Adresse… Auch, wenn ich mir eine Direktnachricht schicke, landet ein Mail in der Inbox. Allerdings nicht mit dem Text der Nachricht, dem hätte ich ja noch was abgewinnen können. Um die Direktnachricht zu lesen muss ich zurück auf die Homepage und mich einloggen.

Ich glaube, frazr hat die Möglichkeiten der mobilen Kommunikation noch nicht ganz erfasst. Und höchstwahrscheinlich habe ich nicht ganz erfasst, warum ich einen frazr-Account brauche. Mit dem Ogo schreib ich einfach eine E-Mail. Mobil, schnell und kostenlos – und mir kann es egal sein, wo mein Empfänger gerade ist und was er treibt.

Da ich keine Verwendung dafür habe, möchte ich meinen Account also wieder löschen. Von der mobilen Seite aus kann ich natürlich keine Änderungen an meinem Profil vornehmen, wäre ja auch zu praktisch. Überraschenderweise kann ich aber auch am PC in meinem Profil keine Möglichkeit finden, den Account wieder zu löschen. Vielleicht kann mir da ja Moritz weiterhelfen, am Telefon hat er mir noch seine Mailadresse durchgegeben…

Weiterlesen bei: Spam von frazr? Oder: wie man sich unbeliebt macht

Merken und Teilen:

  • No Related Post

12 Kommentare zu “Ein Anruf von Frazr – Heisse Luft jetzt auch mobil”

  1. Moritz
    22. Mai 2007 00:09
    1

    Hallo Benji,

    vielen Dank für Deinen Beitrag zu frazr.mobi. Das ging ja fix.
    Gerne möchte ich die Möglichkeit ergreifen und einige Punkte Deines
    Berichtes ergänzen bzw. korrigieren:

    Vielleicht ist es in dem kurzen Gespräch heute nicht ganz deutlich
    geworden: Die mobile Version von Frazr soll einen Großteil der
    Funktionen von Frazr zur Nutzung auf mobilen Endgeräten zur Verfügung
    stellen. Hierbei steht natürlich ganz klar die Kommunikation unter
    Freunden via Handy oder PDA im Vordergrund.
    Die mobile Version kann und will kein vollständiger Ersatz der
    Webversion sein – die Idee ist eben *nicht* jedes kleine Feature auch
    mobil zur Verfügung zu stellen – was im Übrigen auch kaum Sinn machen
    würde – sondern die Frazr Grundfunktion in einem schlichten, einfachen
    Interface bereit zu stellen. Bei unseren Überlegungen sind wir davon
    ausgegangen, dass die Frazer, welche “Frazr in der Hosentasche”
    benutzen, auch im Web unterwegs sind, um dort Aktionen wie etwa
    Freundschaftsbestätigungen durchzuführen, die die Komplexität der
    mobilen Version sonst einfach unnötig erhöhen.

    Ziel unserer Allgemeinen Geschäftsbindungen ist es nicht, Benutzer mit
    Vertragsstrafen zu überziehen (aus Deinem Bericht könnte man das so
    interpretieren), sondern alle Frazer vor ungewünschtem Spam zu schützen.
    Es ist sicherlich einleuchtend, dass wir eine Grenze zwischen sinnvoller
    Nutzung im Sinne der Kommunikation zwischen Menschen und einer
    unangemessen kommerziell ausgerichteten Kommunikation ziehen können.

    Das man keine Profilangaben mobil ändern kann stimmt so übrigens nicht:
    Den Ort (als relevante Angabe für mobile Nutzung) kannst Du einfach und
    jederzeit dort ändern, für den Rest (etwa die Kurzbiographie oder Deine
    Website URL) macht dann das normale Interface wieder mehr Sinn.

    Neben diesen Dingen haben wir aber auch produktive und gute Anregungen
    aus Deinem Beitrag entnehmen können, die wir in Kürze umsetzen werden,
    vielen Dank dafür!

    Moritz

  2. Franz
    22. Mai 2007 08:56
    2

    Also dass die einfach anrufen ist schon ein starkes Stück. Du solltest was verlangen für die Werbung. Und warum benutzt jemand sowas wie frazr?

  3. Florian
    22. Mai 2007 09:56
    3

    @Franz: Gute Frage. Warum benutzt jemand Twitter? Und warum benutzt jemand überhaupt die Kommentar-Funktion in einem Blog?

  4. Moritz
    22. Mai 2007 15:45
    4

    Wie gestern bereits angedeutet, haben wir die Abmeldefunktion integriert.
    Das ging vorher übrigens auch schon ganz formlos per Mail an uns, nun kann sich aber jeder User selbst bequem an- und abmelden. Impressum in Blog und Mobilversion war auch ein netter Hinweis, auch das ist jetzt drin.

    Sicherlich interessant für die mobile Nutzung dürfte auch die Betaversion unseres Geofeatures sein, welches wir im Laufe der Woche vorstellen: Wenn die Position per Handy oder im Web geändert wird, kann man sehen, wer von seinen Freunden auch in der Nähe ist – oder auch andere Frazer, falls man neue Leute kennenlernen möchte.

    Viele Grüße,

    Moritz

    PS: Franz, die Frage nach der Sinnhaftigkeit kommt immer wieder und ich verweise hier auf den umfangreichen Artikel beim webworkblogger.de
    Es bleibt natürlich anzumerken, dass nicht alle dort dargestellten Szenarien für jeden User Anwendung finden mögen, aber eine Tendenz ist erkennbar.

  5. Benji Wiebe
    22. Mai 2007 16:01
    5

    Was ich noch deutlich vermisse ist eine E-Mail-Verifikation bevor ich den Dienst benutze und eine zugängliche Version der AGB. Ansonsten beeindruckt mich zunächst mal die schnelle Reaktion auf meine Mängelliste.

  6. netzausfall
    22. Mai 2007 19:08
    6

    Wenn die Pressestelle beim Blogger anklingelt

    Benji Wiebe vom Pocketweblog hat mich heute angeschrieben. Er bekam einen Anruf von einem der Frazr-Chefs und wunderte sich, dass die nun auch schon die Blogger abtelefonieren. Warum eigentlich nicht? Ich kann nur sagen: Herzlichen Glückwunsch! Die neh…

  7. Leidartikler
    23. Mai 2007 23:31
    7

    Gut reagiert, finde ich auch! Wozu man Frazr braucht, kann ich auch nicht beantworten. Einigen scheint das Spaß zu machen…

  8. Ulf
    24. Mai 2007 09:50
    8

    Klasse Artikel, gefällt mir! Ich konnte bisher auch noch nicht den Sinn von Twitter oder Frazr herausfinden, außer dass man eben sehr viel Zeit vergedeutet andauern zu gucken was anderen Menschen machen.
    Auch der webworkblogger gibt nur Punkte an die man mithilfe von “altmodischeren” Kommunikationsmittel auch bezwecken könnte. Aber hey..solange sich das Ding verkauft passts ja ;)

  9. File Status 48
    29. Mai 2007 00:04
    9

    Not The Next Big Thing! – Frazr

    Dienste wie Twitter, mit denen man den persönlichen Status im Internet publizieren und seinen Freunden (oder auch der ganzen Weltöffentlichkeit) zugänglich machen kann, schießen derzeit wie Pilze aus dem Boden. Bei den deutschen Twitter-Klonen gibt…

  10. John
    8. Juni 2007 12:33
    10

    anfreunden konnte ich mich bisher damit auch noch nicht.

  11. Spam von frazr? Oder: wie man sich unbeliebt macht : Pocketweblog.de
    15. Juni 2007 20:37
    11

    [...] Frazr fährt eine Marketingkampagne, die sich gewaschen hat. Mit der Penetranz eines Kleinkindes, das um Aufmerksamkeit bettelt, taucht es überall auf, diese Woche sogar im RTL Nachtjournal. Den Anruf von neulich fand ich noch ganz gelungen, mittlerweile übertreibt es frazr aber mit seinen Werbemethoden und macht sich zusehends unbeliebt: [...]

  12. Neustart ins neue Jahr - 18 Monate sind nicht genug : PocketWeblog.de
    4. Januar 2008 22:21
    12

    [...] Viel Beachtung fand mein Review vom mobilen Dienst frazr. [...]